Das Wichtigste bei Diabetes: Dranbleiben!

Ein Interview mit Dr. med. Carsten König, M. san., stellvertretender Vorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein

Herr Dr. König, was ist die besondere Herausforderung bei einer chronischen Krankheit wie Diabetes?

Das Wichtigste bei dieser Krankheit ist: Dranbleiben! Die Kontinuität ist für Patientinnen und Patienten wie auch für uns Ärzte das A und O im Umgang mit Diabetes. Es ist eine große Herausforderung für die Patienten, ihre Motivation für eine kontrollierte Lebensführung im Alltag aufrechtzuerhalten.
Ein weiterer Punkt aus meiner hausärztlichen Perspektive ist die reibungslose Zusammenarbeit mit fachärztlichen Kolleginnen und Kollegen, z. B. in der Augenheilkunde oder Kardiologie.

Wie reden Sie als Hausarzt mit Ihren Diabetes-Patientinnen und -Patienten über einen riskanten Lebensstil?

Ein Lebensstil mit mangelnder Bewegung und ungesunder Ernährung verursacht nicht nur Diabetes, sondern belastet auch den Kreislauf und kann zu weiteren Krankheiten führen. Das heißt im Umkehrschluss, dass mit der ganzheitlichen Umstellung der Lebensgewohnheiten nicht nur Diabetes bekämpft wird, sondern auch das Risiko weiterer Gesundheitsschäden kleiner wird. Ich weiß natürlich, dass das viel leichter gesagt als getan ist. Deswegen ist mir jede sinnvolle Ergänzung des Angebots, das ich als Hausarzt meinen Patientinnen und Patienten machen kann, willkommen. TeLIPro mit der Kombination aus Online-Portal, telemedizinischen Geräten und einem individuellen telefonischen Gesundheitscoaching ist meinem Eindruck nach ein solches maßgeschneidertes Angebot.

Haben Sie Bedenken, dass Ihnen durch das Einbeziehen externer Dienstleister die Therapie aus der Hand genommen wird?

Nein, im Gegenteil. Das Projekt kann den persönlichen Kontakt in der Hausarztpraxis nicht ersetzen, weil Patienten ja nicht nur wegen eines Lifestyle-Programms in meine Praxis kommen. Meine Erfahrung ist: Je intensiver Menschen sich mit ihrer Krankheit auseinandersetzen, desto besser gelingt das Miteinander mit dem Arzt. Manchmal habe ich mit Fehlinformationen zu kämpfen, die durch „Dr. Google“ zustande kommen. Bei Patienten, die an TeLIPro teilnehmen, kann ich dagegen auf die Kompetenz der Gesundheits-Coaches vertrauen. Sie haben alle eine Ausbildung als Diabetes-Assistentin oder -Beraterin absolviert.

Sie vertreten die Ärzteschaft in einem Fachgremium des Gemeinsamen Bundesausschusses, der Richtlinien für die Behandlung von Diabetes in den DMP herausgibt. In diesen Richtlinien ist aber von Telemedizin und Telefoncoaching noch nicht die Rede.

In Berlin setze ich mich dafür ein, dass wir unseren Patientinnen und Patienten praxisorientierte Medizin anbieten können. Die DMP machen unter anderem Vorgaben zur Medikation, die auf der Studienlage beruhen. Evidenzbasierte Medizin heißt, dass wir Ärzte die aktuellen Leitlinien kennen, aber in ganzheitlicher Betrachtung des Einzelfalls auch davon abweichen können – oder manchmal sogar müssen. Im Übrigen legen die DMP sehr großen Wert auf die Kompetenz und das Mitmachen der Patienten. Ich sehe da keinen Widerspruch zwischen herkömmlichen Schulungen, die von Anfang an fester Bestandteil der DMP waren, und neueren Ansätzen, die Patientinnen und Patienten im „Management“ ihrer Erkrankung zu stärken.

Das Innovationsfonds-Projekt TeLIPro hat auch den Anspruch, die Tauglichkeit für die Regelversorgung unter Beweis zu stellen. Wird es bald überall solche Angebote geben?

Die Überarbeitung der bundesweiten DMP-Richtlinie Diabetes mellitus Typ 2 ist ein langer, oft mühsamer Prozess. Ich bin froh, dass wir in Nordrhein einfach schon einmal loslegen und Erfahrungen sammeln können. Innovationen, die den Patienten großen Nutzen bringen, finden sicherlich schnell Nachahmer.

Foto: KV Nordrhein

Dr. med. Carsten König, M. san.

Der Düsseldorfer Hausarzt ist stellvertretender Vorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein und wirkt auf Bundes- und Landesebene an der Weiterentwicklung der strukturierten Behandlungsprogramme für Diabetes (Disease Management Programme, DMP) mit.

Weitere Informationen: www.kvno.de

2018-11-07T10:16:40+00:00