Diabetes und Sport

Prof. Dr. Ingo Froboese, Leiter des „Zentrums für Gesundheit durch Sport und Bewegung“ an der Deutschen Sporthochschule in Köln

Lebensstilbedingte Erkrankungen wie Typ-2-Diabetes hängen eng mit Veränderungen in unserer Lebensweise und unserer Umwelt zusammen. Dazu zählen mehr sitzende Tätigkeiten, weniger Zeit für Sport und eine Ernährungsweise, die sich immer weiter vom Konsum hochwertiger, natürlicher und biologischer Nahrungsmittel entfernt. Aktuell habe ich den Eindruck, dass wir ein wenig aus dem Tritt geraten sind und unsere Lebensbedingungen nicht mehr zu unseren biologischen Grundbedürfnissen passen. Unser Leben wird zunehmend bequem. Wie können wir diesen Konflikt lösen? Es gibt nur zwei Möglichkeiten: Entweder wir verändern die Umwelt oder wir verändern uns.

Ich halte nur die zweite Möglichkeit für realistisch. Indem wir unser Verhalten ändern, können wir dazu beitragen, lebensstilbedingte Erkrankungen und die daraus resultierenden Probleme und Beschwerden zu bekämpfen. Da Übergewicht und Inaktivität die größten Risikofaktoren für die Entstehung eines Typ-2-Diabetes darstellen, besteht die Grundlage der Behandlung und Prävention aus sportlicher Aktivität und gesunder Ernährung. Der Typ-2-Diabetes wirkt sich stark auf die Energiebereitstellung und den Energieverbrauch aus. Daher empfiehlt sich leichte sportliche Aktivität. Genauso wichtig ist es, Bewegung in den Alltag zu integrieren.

Grundsätzlich kann ein Mensch mit Diabetes jeder körperlichen Betätigung nachgehen, sofern er einen gut eingestellten Blutzucker hat. Die Voraussetzung ist natürlich die Absprache mit dem Arzt. Besonders geeignet sind moderate Ausdaueraktivitäten wie zum Beispiel Radfahren. Aber auch die Kombination aus Ausdauer- und Krafttraining kann viel bewirken. Geübte Patienten können sogar Leistungssport betreiben. Das Ausdauertraining stärkt das Herz-Kreislauf-System und hilft dabei, den Blutdruck zu kontrollieren und die Arterien flexibel zu halten. Krafttraining trägt dazu bei, dass die Zellen wieder besser auf das Insulin „hören“ und den Zucker in die Zelle hineinlassen. Nicht selten können Patienten durch Sport die Einnahme von Medikamenten reduzieren oder sogar aussetzen.

Einige Grundregeln sollten Menschen mit Diabetes bei sportlichen Aktivitäten berücksichtigen. Vor und nach jeder Belastung sollte eine Kontrolle des Blutzuckers stattfinden, am besten sogar stündlich. Außerdem müssen während der Belastung stets Not-Kohlenhydrate mitgeführt werden, um einer Unterzuckerung vorzubeugen. Ziel ist, den Blutzucker während der körperlichen Aktivität zwischen 130 und 180 mg/dl zu stabilisieren. Achten Sie deshalb auch auf die Einstellung der Insulindosis, denn diese ist abhängig von der Belastungsdauer und -intensität. Nach der körperlichen Belastung – vor allem bei Ausdauertraining – sind die Kohlenhydratspeicher des Körpers leer und müssen aufgefüllt werden. Damit steigt die Insulinempfindlichkeit nach dem Sport und die Kohlenhydratzufuhr muss erhöht und die Insulinversorgung reduziert werden.
Durch regelmäßige körperliche Aktivität kommt es zu einer Art Trainingsanpassung der Glukosetoleranz. Dadurch führt die gleiche aufgenommene Menge an Zucker zu einem geringeren Anstieg des Blutzuckers bzw. die gleiche Insulinmenge zu einer stärkeren Zuckersenkung. Dieser Effekt wird mit einer Erhöhung der Insulinrezeptoren bzw. mit einer stärkeren Bindung zwischen Insulin und Rezeptoren erklärt.

Bei der Umsetzung einer gesunden Lebensweise sollten Patienten auch die Ernährung einbeziehen. Sie verringert nicht nur das Risiko von Spätfolgen des Diabetes, sondern senkt auch das Gewicht. Statt einer strengen Diät empfehle ich eine ausgewogene und vielseitige Ernährungsweise. Die Kohlenhydratzufuhr zu reduzieren – besonders Zucker in seinen unterschiedlichen Formen –, ist daher absolut essentiell, damit der Grad der Insulinresistenz nicht weiter ansteigt.

Alternativtext

Foto: Monika Sandel

Ingo Froboese

Universitätsprofessor für Prävention und Rehabilitation im Sport an der Deutschen Sporthochschule in Köln.

Weitere Informationen unter: www.ingo-froboese.de

2018-07-24T12:05:10+00:00